Anzahl der Opfer:

140 wurden nachgewiesen, man vermutet aber mindestens 400 Opfer

Zeit:

15. Jahrhundert

Biografisches:

Der französische Ritter, Marschall von Frankreich und Kampfgenosse der Johanna von Orleans, Gilles de Rais wurde 1404 an der Grenze der Bretagne im Schloss Machecoul geboren. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1415 wuchs de Rais bei seinem Großvater auf. Der hochbegabte Mann überließ den Jungen weitgehend sich selbst und nutzte die erstbeste Gelgenheit, um ihn loszuwerden, indem er ihm am 30. November 1420 an Katharina von Thouars verheiratete.
Von Haus aus vermögend, fiel Gilles de Rais etwa fünf Jahre später am Hofe Karls VII auf, wo er als der reichste Baron Frankreichs galt. Mit 26 Jahren zog sich Gilles de Rais auf das Schloß Tiffauges zurück und pflegte dort einen derart ausschweifenden und luxuriösen Lebensstil, daß er bald einen Großteil seiner Ländereien verkaufen mußte.

Details der Morde:

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vergewaltigte, folterte und tötete de Rais massenhaft Mädchen und Jungen und ging als "Blaubart" in die Geschichte ein.
An Sadismus und Grausamkeit übertraf "Blaubart" seine Vorbilder (siehe Motiv) bei weitem.
Sein erstes Opfer, ein Junge, erwürgte er und schlug ihm die Hände ab. Dann riss er ihm das Herz und die Augen heraus. Sein Blut bewahrte er auf, um damit okkultistische Texte zu verfassen.
Einen seiner Vertrauten beauftragte er, Kinder zu entführen. Wenn de Rais von seiner Festung nach Schloss Camptoce reiste, fehlten im entsprechenden Gebiet am nächsten Tag unzählige Kinder. Er vergewaltigte seine Opfer, schlitzte sie dann auf und wühlte in den Eingeweiden.
Doch bald langweilte es ihn, seine Lust an lebenden oder sterbenden Menschen zu befriedigen und seine Raserei nahm immer häufiger nekrophile Züge an. Er veranstalte regelrechte Schönheitswettbewerbe mit den aufgespießten und geschminkten Köpfen der Kinderleichen.

Das Ende:

Als allmählich Gläubiger und Feinde näherrückten musste de Rais, bevor seine Burg eingenommen wurde, Leichen und Skelette entfernen lassen.
Nach seiner Verhaftung war es de Rais nicht möglich, die große Zahl seiner Opfer zu beziffern. Nur die durch Leichenfunde belegte Zahl belief sich auf 140.

Er beschäftigte Kinderfänger und lockende "Hexen", die die Opfer meist aus der ganz armen Bevölkerung "rekrutierten". Es waren viehhütende Kinder, Kinder von Dienern, Bauern, Kinder, die zum Apfelernten oder Brotholen gegangen waren.

All die Jahre über konnte niemand dieser einfachen Leute gegen diesen großen Mann eine Anklage wagen, auch wenn die Beweise schon längst erdrückend wirkten. Und wirklich wurde ihm nur ein plumper Überfall in einer Kirche zum Opfer. Taktierend wich Gilles seinen Gegnern aus, beging seine letzten und furchtbarsten Mordtaten, während in die Anklageschrift wegen des Überfalls nun auch die Morde, "ungeheure Verbrechen", einbezogen werden. Herzog und Bischof handelten nun endlich zusammen, griffen den verschanzten de Rais an und zwangen ihn zur Aufgabe.
Die ab September 1440 begonnenen ernsthaften Untersuchungen förderten Asche von Leichen und Wäschestücke zutage. Der Bischof beauftragte einen Inquisitor, die Ermittlungen weiter zu treiben.

Am 8. Oktober 1440 wurde de Rais förmlich des Massenmordes angeklagt, aber auch der "Dämonenbeschwörung und Ketzerei".

Am 15. Oktober gestand de Rais vor Gericht, angeblich "aus freien Stücken". Er bat bald darum, alles sagen zu dürfen, um einer inquisitorischen Befragungsmethode dieser Zeit, der "peinlichen Befragung" zu entgehen. Im Nebenzimmer lagen bei seinen Geständnissen die Folterwerkzeuge stets bereit. Doch de Rais redete ohne Unterlaß, vielleicht sogar erleichtert. Wehleidig und in beispielloser Weise zynisch, verlangte er zum Schluß, vor seiner Hinrichtung, daß er öffentlich, "in gemeiner Sprache" - damit auch das Volk verstehen konnte - vernommen werde, "zur Ermahnung aller Familienväter, daß sie wachen über ihre Kinder". Seine Schilderungen erschienen den Zuhörern allerdings dann allzu "genüßlich".

Am 26. Oktober 1440 wurde de Rais in Biesse gehenkt. Sein Körper wurde anschließend verbrannt.

"...und daß diese Kinder von ihnen auf unmenschliche Weise gewürgt, getötet, dann zerstückelt und verbrannt und im übrigen auf schändliche Weise gequält worden seien; daß besagter Angeklagter Gilles de Rais die Leichen dieser Kinder in verdammenswerter Weise bösen Geistern geopfert habe, und dass Gilles mit besagten Kindern, Knaben wie Mädchen, einmal während sie noch lebten, ein andermal nach ihrem Tode und zuweilen während sie starben, in grässlicher und niedriger Weise die Sünde der widernatürlichen Unzucht getrieben habe, wobei er bei den Mädchen die natürliche Leibesöffnung verschmähte..." (Auszug aus den Prozessakten gegen Gilles de Rais)

Motiv:

Nach eigenem Bekunden war es ein Werk des römischen Historikers Suetonius, das ihn zu vermutlich mehreren 100 Lustmorden anregte. Der Geschichtsschreiber hatte ein Buch über die Ausschweifungen römischer Cäsaren geschrieben. Bei seinem Prozeß in Nantes erklärte de Rais : "Das Buch war mit Abbildungen versehen, auf denen das Treiben heidnischer Kaiser dargestellt war; und ich diesem feinen Buche, wie es Tibenus und Caracalla und andere Kaiser mit Kindern trieben, und es ihnen besonderes Vergnügen bereitete, sie zu quälen. Das erweckte in mir Wunsch, sie nachzuahmen, und noch am gleichen Abend tat ich das, was mir auf den Abbildungen vorgemacht wurde."

Ein Zeuge berichtete: "er rühmte sich manchmal, dass er mehr Lust darin findet, Knaben und Mädchen zu töten oder ihnen den Hals abzuschneiden oder sie töten zu lassen und sie schmachten und sterben zu sehen, als wenn er Unzucht mit ihnen triebe".