
Anzahl der Opfer:
30, 16 davon starben
Zeit:
19. Jahrhundert
Biografisches:
Gesche
Margarethe Timm wurde 1785 als Tochter eines Schneiders und einer Wollhäherin
in Bremen geboren. Sie lebte in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Schon mit
15 hatte sie zahlreiche sexuelle Affairen. Erst durch ihre Ehe mit dem wohlhabenden
Sattlermeister Johann Miltenberg, den sie 1806 heiratete gelang der inzwischen
21jährigen der Aufstieg in großzügige und gutbürgerliche Verhältnisse. Die Ehe
- nicht zuletzt auf Betreiben der Eltern Gesches arrangiert - war nicht glücklich:
Der junge Miltenberg trank, führte ein äußerst "liederliches Leben in Kneipen
und Bordellen" und brachte so das väterliche Vermögen durch. Durch ihn lernte
Gesche ihren späteren Liebhaber, den Weinreisenden Michael Christoph Gottfried
kennen, den sie nach dem Tode Miltenbergs 1813 in zweiter Ehe heiratete und
dessen Namen sie schließlich zu einiger Berühmtheit brachte.
Details der Morde:
Als ihr Ehemann Johann Miltenberg begann Gesche zu verprügeln
und sie sich in einen ihrer Liebhaber, Hermann Gottfried verliebte, versetzte
sie sein Bier mit Arsen. Miltenberg starb noch in der gleichen Nacht. Der Hochzeit
mit Gottfried stand nichts mehr im Wege: die Ärzte schlossen auf einen natürlichen
Tod ihres ersten Mannes.
Doch nun standen der jungen Witwe ihre Kinder und Eltern im Wege, die sie ebenfalls
ins Jenseits beförderte.
Auch ihren Bruder tötete sie, als er seinen Anteil an den elterlichen Hinterlassenschaften
forderte.
Gottfried, der Gesche zu lange hingehalten hatte ermordete sie ebenfalls mit
Arsen und erbte sein Vermögen.
1825 wurde Gesche in Bremen bei Familie Rumf als Haushälterin angestellt, nachdem
sie die Hypotheken auf ihr Haus nicht mehr zahlen konnte. Nacheinander starben
alle fünf Kinder und die Frau. Auch den Mann wollte sie mit Arsen vergiften,
doch als dieser unter Magenkrämpfen litt ließ er Lebensmittelproben nehmen.
Das Ende:
Am 5. März 1828 wurde
Gesche Gottfried festgenommen und gestand 30 Menschen mit Arsen vergiftet zu
haben, 16 davon starben. Daraufhin wurde sie noch im gleichen Jahr angeklagt
und zum Tode verurteilt.
Gegen acht Uhr morgens am 21. April 1831 wurde Gottfried vor das Detentionshaus
gebracht, wo tausende von Menschen bei ihrer Enthauptung zusahen. Scharfrichter
Dietz führte den tödlichen Schlag mit dem Schwert aus. Gesche Gottfrieds Kopf
wurde der vollkommen still verharrenden Menschenmenge nach allen Seiten gezeigt,
der Stuhl mit dem Körper umgestoßen, der Leichnam dann in einen bereitgestellten
Sarg gebettet und schließlich zum Gefangenenhaus, wo sie zuvor bereits 3 Jahre
verbracht hatte, zurückgebracht.
Es sollte die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen sein. Gesches abgeschlagener
Kopf wurde in Spiritus eingelegt und im Museum am Domshof zugunsten eines Waisenhauses
ausgestellt, ihr Skelett zunächst in einem Schrank aufbewahrt. 1912 befand sich
das Knochengerüst im Pathologischen Institut der Städtischen Krankenanstalt,
es verbrannte während des Zweiten Weltkrieges. Der Kopf der wohl berühmtesten
Bremerin gilt seit 1913 als verschollen - vielleicht ist er vernichtet worden,
vielleicht steht er aber auch noch heute auf dem Kaminsims irgend eines morbiden
Bremers.
Motiv:
Ein Nervenarzt war der Meinung sah in sexueller Eitelkeit und
in einem Hang zu egozentrischer Sentimentalität die wichtigsten Schlüssel zu
den Verbrechen. Sie tötete, um ihre sexuellen Wünsche durchsetzen zu können,
sie mordete aber auch, um sich selber bemitleiden zu können und zu lassen, um
ihren Opfern gegenüber die Wohltäterin spielen zu können.
Sie selbst redete immer wieder von einem Drang, einem Trieb, den sie sich selbst
nicht erklären könne.
In dem Gerichtsverfahren wurde der Antrag ihres Verteidigers auf ein psychiatrisches
Gutachten von Bremer und Lübecker Richtern rundweg abgewiesen.